Welche Arten von Terpene kommen in Cannabis vor?
Terpene sind die größte Klasse pflanzlicher Sekundärmetaboliten und bestehen strukturell aus sogenannten Isopren-Einheiten. In Cannabis werden sie hauptsächlich in den Köpfen der gestielten Drüsentrichome produziert und gespeichert. Du unterscheidest dabei vor allem zwischen zwei Hauptklassen: Den hochflüchtigen Monoterpenen (C10), die bis zu 90 % des ätherischen Öls ausmachen können, und den schwereren Sesquiterpenen (C15). Zu den häufigsten Monoterpenen gehören Myrcen, das oft über 50 % des Profils einnimmt, sowie Limonen und Pinen. Ein bekanntes Sesquiterpen ist Beta-Caryophyllen, das als einziges Terpen direkt an das Endocannabinoid-System (CB2-Rezeptoren) binden kann. Diese Vielfalt von über 230 identifizierten Verbindungen verleiht jeder Sorte ihr spezifisches Geruchsprofil.
Wie nutzt du Terpene als Indikator für die Ernte und Qualität?
Das Terpenprofil deiner Pflanze ist extrem dynamisch und verändert sich während der Reifung. In frischem Pflanzengewebe dominieren meist die Monoterpene, während Sesquiterpene im Zuge der Ernte und Trocknung oft präsenter werden. Ein intensiver und komplexer Geruch ist für dich ein direkter Hinweis auf eine hohe Stoffwechselaktivität in den Trichomen. Du kannst die Qualität auch daran erkennen, wie klebrig die Blüten sind, da das Harz (Rosin) aus einer Mischung von Cannabinoiden und Terpenen besteht. Wenn die Pflanze ihr aromatisches Maximum erreicht, kurz bevor die Trichome voll ausgereift sind, ist der beste Zeitpunkt für die Ernte gekommen. Achte darauf, dass ein Verlust des frischen Aromas durch zu hohe Temperaturen (über 27 °C) auf eine vorzeitige Verdunstung der wertvollen Monoterpene hindeutet.
Wie kannst du im Anbau Terpene gezielt schützen und fördern?
Um die Terpenproduktion zu maximieren, kannst du verschiedene Umweltfaktoren optimieren. Eine gezielte Bestrahlung mit UV-B-Licht in den letzten zwei Blütewochen kann die Werte um 25-35 % steigern, da die Pflanze Terpene als Schutzschild gegen Strahlung bildet. Auch eine Absenkung der Nachttemperatur (um ca. 5-8 °C unter den Tagwert) in der Endphase der Blüte triggert eine Abwehrreaktion, die die Produktion ankurbelt. Achte auf einen konstanten VPD-Wert zwischen 0,8 und 1,2 kPa, um die Transpiration und Nährstoffaufnahme für gesunde Trichome zu sichern. Bei der Düngung hilft eine Supplementierung mit Schwefel (15-20 ppm) in der späten Blüte, um die Vielfalt der aromatischen Profile zu fördern. Nach der Ernte ist ein kühler, dunkler Ort für die Trocknung entscheidend, da herkömmliche Lufttrocknung bereits über 50 % des ursprünglichen Terpengehalts vernichten kann.