Stickstoff ist einer der wichtigsten Nährstoffe für Cannabis, da er ein Grundbaustein für Aminosäuren, Proteine, Enzyme und die DNA ist. Besonders kritisch ist seine Rolle im Chlorophyll-Molekül, welches die Lichtenergie für die Photosynthese einfängt. Da Stickstoff innerhalb der Pflanze mobil ist, kann er bei Knappheit von alten Blättern in neue Triebe umgeleitet werden, was die Diagnose von Ungleichgewichten erleichtert.
Wie hoch ist der Stickstoff-Bedarf von Cannabis in verschiedenen Phasen?
In der vegetativen Phase benötigt deine Pflanze hohe Stickstoff-Konzentrationen (optimal ca. 160–200 mg/L), um eine dichte Blattkrone und kräftige Stängel aufzubauen. In dieser Phase fördert eine stickstoffdominierte Düngung mit einem N-P-K-Verhältnis von etwa 3-1-2 das schnelle Wachstum. Sobald die Blütephase beginnt, sinkt der Stickstoff-Bedarf allmählich, während der Bedarf an Phosphor und Kalium steigt. Ein zu hoher Stickstoff-Gehalt in der späten Blüte kann die Blütenbildung hemmen und die Konzentration von Cannabinoiden wie THC und CBD durch einen Verdünnungseffekt reduzieren.
Wie kannst du einen Stickstoff-Mangel bei Cannabis frühzeitig erkennen?
Ein Stickstoff-Mangel zeigt sich charakteristischerweise zuerst an den ältesten, untersten Blättern der Pflanze. Diese Blätter verlieren ihr sattes Grün und färben sich gleichmäßig blassgelb (Chlorose), wobei die Gelbfärbung an der Blattspitze beginnt und nach innen wandert. Im weiteren Verlauf werden die Blätter braun und fallen ab, während das Gesamtwachstum der Pflanze stagniert und die Stängel schwach wirken. Ein Stickstoff-Mangel kann durch Unterfütterung, zu kleine Töpfe oder einen falschen pH-Wert verursacht werden, der die Aufnahme blockiert.
Wie kannst du Stickstoff richtig dosieren und Fehler vermeiden?
Die richtige Stickstoff-Dosierung erfordert Fingerspitzengefühl: Nutze in der Wachstumsphase Dünger mit hohem Stickstoff-Anteil und wechsle in der Blüte auf Blütendünger mit reduziertem Stickstoff-Gehalt. Sei vorsichtig mit einer Stickstoff-Toxizität (Überdüngung), die du an extrem dunkelgrünen, glänzenden Blättern und nach unten gebogenen Blattspitzen, den sogenannten „Adlerkrallen“, erkennst. Bei einer Überdüngung solltest du dein Substrat mit pH-reguliertem Wasser spülen, um überschüssige Nährsalze auszuwaschen. Achte stets auf den korrekten pH-Wert (ca. 6,0–7,0 in Erde; 5,5–6,5 in Hydro/Coco), da Stickstoff außerhalb dieser Bereiche chemisch blockiert werden kann. Für eine schnelle Korrektur eines Mangels kann eine Blattdüngung mit einer schwachen Stickstoff-Lösung sehr effektiv sein, da die Aufnahme über die Blätter oft innerhalb von 48 Stunden erste Ergebnisse zeigt.